Industrie-Lexikon

Strangpressen

Das Strangpressen ist ein Umformverfahren zum Herstellen von St├Ąben, Dr├Ąhten, Rohren und unregelm├Ą├čig geformten prismatischen Profilen. In der Kunststoffverarbeitung wird ein eng verwandtes Verfahren als Extrusion bezeichnet. Das Strangpressen wird nach DIN 8582 zum Druckumformen gez├Ąhlt, gemeinsam mit dem Flie├čpressen in der Untergruppe des Durchdr├╝ckens, und in DIN 8583 n├Ąher beschrieben. Beim Strangpressen wird ein auf Umformtemperatur erw├Ąrmter Pressling (Block) mit einem Stempel durch eine Matrize gedr├╝ckt. Dabei wird der Block durch einen Rezipienten – ein sehr dickwandiges Rohr – umschlossen. Die ├Ąu├čere Form des Pressstrangs wird durch die Matrize bestimmt. Durch verschieden geformte Dorne k├Ânnen Hohlr├Ąume erzeugt werden. Strangpressprofile erreichen bis zu 60 m L├Ąnge; gr├Â├čere L├Ąngen sind zwar m├Âglich, aber im Allgemeinen nicht wirtschaftlich. Das Strangpressen dient zur Herstellung von Endlosmaterial, das in der gew├╝nschten L├Ąnge abgetrennt wird. Beim verwandten Flie├čpressen werden dagegen Einzelst├╝cke hergestellt.

Zum Strangpressen eignen sich prinzipiell alle Metalle, es wird aber vor allem f├╝r Aluminium und Aluminiumlegierungen (z. B. K├╝hlk├Ârperprofile und Konstruktionsprofile), Kupfer und Kupferlegierungen angewendet. Aus Edelstahl werden (nahtlose) Rohre hergestellt. Weiterhin werden geringere Mengen Magnesium- und Titanlegierungen oder auch Lote stranggepresst. Das entsprechende Verfahren f├╝r Kunststoffe wird Extrusion genannt.

Vorteile des Strangpressens sind insbesondere die M├Âglichkeit, Profile auch in komplizierten Formen und aus schwer umformbaren Werkstoffen herzustellen, der hohe, in einem Verfahrensschritt erreichbare Umformgrad und die geringen Werkzeugkosten, die das Strangpressen vor allem f├╝r die Fertigung relativ geringer Lose interessant machen.

Verfahrensvarianten
Als Verfahrensvarianten sind das direkte, das indirekte und das hydrostatische Strangpressen zu unterscheiden.

Beim direkten Strangpressen schiebt der Stempel den Block entlang der Innenoberfl├Ąche des Rezipienten in Richtung der Matrize. Um diese Relativbewegung zwischen Block und Rezipient zu erzeugen, m├╝ssen hohe Reibungskr├Ąfte ├╝berwunden werden; die Reibung l├Ąsst sich allerdings auch nutzen, um Verunreinigungen aus der Blockrandschicht zur├╝ckzuhalten, so dass diese nicht ins Produkt gelangen. Die Bewegungsrichtungen von Stempel und austretendem Strang sind gleich, daher auch die Bezeichnung Vorw├Ąrts-Strangpressen.

Beim indirekten Strangpressen ist der Rezipient an einer Seite verschlossen, von der anderen Seite wird auf den Block die Matrize gepresst, die sich am Kopf eines Hohlstempels befindet. Der Strang tritt durch die Stempelbohrung hindurch. Deren Durchmesser begrenzt somit den Profilumriss. Dieses Verfahren wird in der Praxis realisiert, indem der einseitig verschlossene Rezipient mitsamt dem Block ├╝ber den feststehenden Hohlstempel mit Matrize gepresst wird, die auch verwendete Bezeichnung ÔÇ×R├╝ckw├Ąrts-Strangpressen“ kann daher irref├╝hrend sein. Der Vorteil des indirekten Pressverfahrens ist jedoch dass die Reibung zwischen Aufnehmerwand und Block entf├Ąllt und somit geringere Presskr├Ąfte notwendig sind. Weiterhin lassen sich qualitativ bessere Produkte herstellen, da das Entfallen der Reibkr├Ąfte zu einem homogeneren Gef├╝ge f├╝hrt.

Beim hydrostatischen Strangpressen wird die Presskraft vom Stempel nicht unmittelbar, sondern ├╝ber ein Wirkmedium (Wasser oder ├ľl) auf den Block aufgebracht. In diesem Verfahren ist der sogenannte hydrostatische Spannunganteil – die allseitig auf das Werkst├╝ck wirkende Druckspannung – noch h├Âher und es kann sogar Draht von einer Spule gepresst werden.

Eine Sonderform j├╝ngeren Datums nutzt Reibungshitze zur Formbarmachung des Ausgangsmaterials, auch unter CONFORM-Verfahren bekannt. Dabei wird ein stetig zugef├╝hrter Draht mit ├╝blicherweise 8 bis 20 mm Durchmesser durch ein Reibrad auf bis zu ├╝ber 500 ┬░C erhitzt und das dann teigige Material durch eine unmittelbar nach dem Reibrad angeordnete Matrize gepresst. Dieses kontinuierlich arbeitende Verfahren wird vornehmlich f├╝r Profile kleiner und mittelgro├čer Abmessung aus Aluminium und Kupfer verwendet. Der ├╝ber einen langen Zeitraum kontinuierlich m├Âgliche Erzeugungsprozess und der Umstand, dass daf├╝r nur eine einzige relativ kleine und einfach gebaute Maschine notwendig ist, erm├Âglicht eine Kostenreduzierung von 30 bis 50 % gegen├╝ber den herk├Âmmlichen Strangpressverfahren.


Quelle: Wikipedia

 

 

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