Industrie-Lexikon

Schnellspanner

Als Schnellspanner oder Schnellspannvorrichtung werden Klemmvorrichtungen bezeichnet, die sich schnell und meist ohne Werkzeug von Hand lösen oder festsetzen (spannen) lassen.

Sie sind sehr verbreitet bei Werkzeugmaschinen zum Festhalten von WerkstĂŒcken bei der Bearbeitung oder zur Sicherung von VerschlĂŒssen an BehĂ€ltern, sowie auch an Fahrradteilen wie den LaufrĂ€dern oder SattelstĂŒtzen am Rahmen bzw. der Gabel.

Funktionsweise
Schnellspanner an LaufrĂ€dern ermöglichen es, diese sehr schnell aus- und einzubauen. Zum Ausbau muss lediglich zusĂ€tzlich zur BetĂ€tigung des Schnellspanners eine vorhandene Felgenbremse entspannt und beim Hinterrad das Schaltwerk der Kettenschaltung nach hinten gezogen werden. Bei manchen Nabenschaltungen ist die Demontage etwas schwieriger. DrehmomentstĂŒtzen und SchaltzĂŒge behindern oft den schnellen Ausbau des Rades.

Ein Schnellspanner klemmt die Achse des Laufrades in den nach unten offenen Ausfallenden von Rahmen und Vorderradgabel und ersetzt dadurch anderweitige Klemmvorrichtungen wie Sechskantmuttern oder FlĂŒgelmuttern zur Sicherung des Rades. Dabei liegen – bei regulĂ€ren Konusachsen – die Kontermuttern der Lagerkonen an der inneren FlĂ€che des Ausfallendes an, die beidseitig ca. 4 mm ĂŒber die KlemmflĂ€che ĂŒberstehenden Stummel der Hohlachse finden ihren Platz in den halbrunden Ausnehmungen der Ausfallenden.

Durch einen durch die hohlgebohrte Nabenachse („Hohlachse“) fĂŒhrenden stĂ€hlernen Zuganker von 5 mm Durchmesser, der „Spannachse“, wird eine axiale Klemmkraft auf die Ă€ußeren FlĂ€chen der Ausfallenden ausgeĂŒbt, was zu einer ausreichenden Arretierung der Nabenachse in Rahmen und Gabel fĂŒhrt. Meist arbeitet ein Schnellspanner mit einem Exzenter, der durch einen kleinen Handhebel betĂ€tigt wird. Die hohe Zugspannung verursacht entsprechend hohe ReibungskrĂ€fte, so dass sich der Hebel nicht von selbst löst. Bei einem sehr leichtgĂ€ngigen Schnellspanner wird der Exzenter etwas ĂŒber die maximale Auslenkung (Exzenter-Totpunkt) hinaus geschwenkt, bevor er am Rahmen oder an der Gabel anliegt, so dass er durch die Zugspannung der Spannachse in der geschlossenen Position fixiert wird. Die Gegenmutter des Schnellspanners ist im geöffneten Zustand von Hand auf dem M5-Gewinde der Spannachse justierbar, um die gesamte Vorrichtung so voreinzustellen, dass am Ende des Hebelweges eine ausreichende Zugspannung anliegt. In der Regel befinden sich die BetĂ€tigungshebel auf der linken Seite des Fahrrades, die einstellbaren Gegenmuttern rechts.

Die QualitĂ€t wird vor allem an der Klemmwirkung gemessen. GĂŒnstige Modelle verwenden teilweise Kunststoffringe, was bei sportlicher Fahrweise oder hoher Belastung zu einem Sicherheitsrisiko werden kann.

Bedienung
um Ausbau des Laufrads wird der Hebel des Schnellspanners aufgeklappt, was manchmal große Kraft erfordert. Anschließend muss ĂŒblicherweise die dem Hebel gegenĂŒberliegende Mutter festgehalten und der Hebel mit der Schnellspannerachse einige Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn herumgeschwungen werden, damit sich das Laufrad aus dem Ausfallende herausheben lĂ€sst.

Beim Einbau wird der Hebel nach dem Einsetzen des Laufrads im Uhrzeigersinn herumgeschwungen (Mutter auf der Gegenseite dabei festhalten). Die richtige Voreinstellung ist erreicht, wenn sich der Hebel anschließend ohne Kraftaufwand herumlegen lĂ€sst, bis er im Winkel von 90 Grad zur Ebene des Laufrads steht. Schließlich wird mit Kraft vollstĂ€ndig herumgelegt, bis er möglichst flach am Rahmen oder an der Gabel anliegt. Er sollte dabei nach hinten gerichtet werden, damit er sich nicht unbemerkt löst, wenn man mit dem Fahrrad ein Hindernis berĂŒhrt, und damit im dichten (FußgĂ€nger-)Verkehr keine SchnĂŒre, Leinen, DrĂ€hte oder gar KleidungsstĂŒcke mitgerissen werden.

Moderne SportrĂ€der mit Kettenschaltung besitzen ĂŒblicherweise senkrechte hintere Ausfallenden, bei denen die LaufrĂ€der nicht ausgerichtet werden mĂŒssen. FahrrĂ€der mit Nabenschaltung sowie viele einfache und manche Renn- oder ReiserĂ€der haben hinten schrĂ€ge oder waagerechte Ausfallenden, um die Kettenspannung durch Verschieben des Hinterrades einstellen zu können. Hier sorgen Einstellschrauben, die im Ausfallende eingeschraubt werden, oder nach dem Einsetzen des Rades wie eine Unterlegscheibe ĂŒber die Achse geschobene Kettenspanner, fĂŒr die genaue Ausrichtung. 

EinschrÀnkungen
Viele Vorderradgabeln haben im unteren Bereich des Ausfallendes Sicherungslippen, die ein Herausfallen des Rades verhindern, auch wenn der Spannhebel einmal nicht geschlossen sein sollte. Jedoch muss durch diese Sicherheitseinrichtung die Gegenmutter einige Umdrehungen weit aufgeschraubt werden, um das Rad aus der Gabel entnehmen zu können, was den Zeitgewinn durch die Schnellspanner beim Radwechsel teilweise wieder zunichte macht.

Leistungsstarke hydraulische Scheibenbremsen erfordern besondere Sorgfalt bei der Montage des Schnellspanners am Vorderrad. Durch den hinter der Gabel angebrachten Bremssattel entsteht beim starken Bremsen eine betrĂ€chtliche resultierende Kraft an der Achsklemmung in Richtung des nach unten offenen Ausfallendes, die die durch den Schnellspanner ausgeĂŒbte Klemmkraft ĂŒbersteigen kann und zum gewaltsamen Verrutschen der Nabe in der Klemmung und damit zu BeschĂ€digungen an einem sicherheitskritischen Bauteil fĂŒhrt. Bei einem eventuellen Bruch der Spannachse wĂŒrde die Achse bei einer Bremsung nach unten aus dem Ausfallende gehebelt werden, was bei den KrĂ€fteverhĂ€ltnissen bei einer klassischen Felgenbremse nicht so wahrscheinlich wĂ€re. Mit aus diesem Grund werden in jĂŒngerer Zeit bei scheibengebremsten FahrrĂ€dern vermehrt Steckachsen anstelle von Schnellspannern verwendet, um dieses Manko auszurĂ€umen.

Quelle: Wikipedia

 

 

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