Industrie-Lexikon

Agile Manufacturing System

Das agile Fertigungssystem (Agile Manufacturing System: AMS) ist eine wirtschaftliche Antwort auf die zunehmende Komplexität der Produktion in der spanabhebenden Fertigung.

Definition agil

  • Agil bedeutet die F√§higkeit, sich schnell und einfach zu bewegen
  • Agil bezieht sich auf oder bezeichnet eine Methode des Projektmanagements, die durch die Aufteilung der Aufgaben in kurze Arbeitsphasen und h√§ufige Neubewertung sowie Anpassung von Pl√§nen gekennzeichnet ist. Agile Methoden ersetzen somit High-Level-Design durch h√§ufiges Redesign.

Die Komplexit√§t der Produktion in der spanabhebenden Fertigung steigt bei gleichzeitig h√∂herer Teilevarianz, wodurch die zu fertigenden St√ľckzahlen pro Auftrag sinken – bis hin zu Losgr√∂√üe 1. Hinzu kommt ein h√∂herer Anspruch an die Fertigungsqualit√§t und somit bspw. auch h√∂here Anforderungen an die Transparenz und R√ľckverfolgbarkeit der Produktion. Gr√ľnde hierf√ľr sind u.a. k√ľrzere Lebenszykluszeiten aufgrund schnellerer technologischer Entwicklungen und zunehmend individualisierter Produkte, die schnellere Reaktionszeiten auf den Kundenbedarf in einem globalen Markt mit geographisch diversifizierten Lieferketten erfordern. Die Herausforderungen einer wachsenden Komplexit√§t der Fertigung lassen sich bei anhaltend hohem Kostendruck und Fachkr√§ftemangel daher nur durch ein h√∂heres Ma√ü an Automation sowie Digitalisierung bew√§ltigen, die zusammengenommen die entscheidende Basis f√ľr AMS schaffen.

Vorteile von AMS

  • Wirtschaftliche Serienfertigung als auch Klein- sowie Kleinstserien bis hin zur Einzelteilfertigung
  • Sinnvolle Erg√§nzung zu bestehenden flexiblen Fertigungssystemen (FFS) und Roboter-gest√ľtzten L√∂sungen f√ľr das automatisierte Werkst√ľckhandling mit dem Ziel einer h√∂heren Fertigungskapazit√§t und -flexibilit√§t
  • Kombination von unterschiedlichen Fertigungsverfahren wie Fr√§sen und Drehen durch L√∂sungen, die die automatisierte Palettenhandhabung als auch Werkst√ľckhandhabung intelligent miteinander verkn√ľpfen
  • Modifizierbares und stets skalierbares Fertigungssystem, das unterschiedliche Prozessketten auch v√∂llig ohne Hardwaremodifikationen erm√∂glicht

Allgemeine Voraussetzungen f√ľr AMS (Hard- und Software)

Eine agile Fertigung setzt agile Hardware voraus. Das bedeutet, dass die Systeme in der Lage sein m√ľssen, sich flexibel an die jeweiligen Produktionsanforderungen anzupassen - einfach modifizierbar sowie skalierbar, um schnell auf ver√§nderte Anforderungen reagieren zu k√∂nnen.

Eine zentrale Funktion in einem Agile Manufacturing System kommt der Software als √ľbergeordnete Systemintelligenz zu, die die automatisierte Fertigung und das Ressourcenmanagement von spanabhebenden Werkzeugmaschinen und weiteren Prozessanlagen (z.B. Wasch- oder Messmaschinen) effizient plant, prognostiziert, steuert und √ľberwacht. In diesem Zusammenhang muss die Software √ľber die F√§higkeit verf√ľgen, die nahtlose Vernetzung der angebundenen Maschinen sowie unterschiedlicher Softwareebenen, z. B. ERP-Systeme, CAD-/CAM-Systeme etc., sicherzustellen.

Technische Voraussetzungen f√ľr AMS

Durch die Kombination von geeigneten Aufspanntechniken, fortschrittlichen Greifern mit leistungsfähiger Steuerungssoftware und der Entwicklung entsprechender CAM-Programme ist es möglich, kleiner Fertigungslosgrößen und sogar Einzelteile innerhalb eines bestimmten Bereichs der gesamten Produktpalette wirtschaftlich und vollautomatische herzustellen.

Zentrale Aufgaben eines Agile Manufacturing Systems

  • Agilit√§t: einfache Implementierung neuer Werkst√ľcke in das System
  • Adaptivit√§t: einfache Integration und bedarfsorientierte Erweiterung von Hard- und Software
  • Niedriger Einstieg: geringe Einstiegskosten, Skalierbarkeit, Adaptierbarkeit, Simulation
  • Resilienz: Vermeidung von Produktionsst√∂rungen, intelligente Fehlerbehebung
  • Visibilit√§t: Datensysteme, Transparenz, R√ľckverfolgbarkeit, Situationserkennung

L√∂sungsans√§tze f√ľr AMS

Ein Agile Manufacturing System kann aus einer intelligenten Softwarelösung sowie integrierten agilen Fertigungszellen, flexiblen Fertigungssystemen (FFS) und/oder Stand-Alone-Maschinen bestehen. Das Investment in ein AMS muss anfänglich nicht hoch sein, da in einem ersten Schritt ein kleineres, jedoch skalierbares System realisiert werden kann, das sich zu einem späteren Zeitpunkt mit zusätzlichen integrierten Systemen erweitern lässt.

Dieser Artikel wurde erstellt mit Unterst√ľtzung der Fastems Systems GmbH

Quelle: Industrie Wiki der IndustryArena - https://de.industryarena.com/wiki/Hauptseite

 

 

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