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Industrie-Schweiz - News-Corner
 
20.08.2026
 
  
Raiffeisen KMU PMI Juli 2026: Erholung mit Vorbehalt
    
Der Raiffeisen KMU PMI steigt im Juli wieder über die Wachstumsschwelle. Die bessere Auftragslage macht Hoffnung auf eine Erholung der Industrie. Allerdings zeigt eine Sonderumfrage, dass die Auftragspolster vieler KMU noch überschaubar sind und die Erholung entsprechend anfällig für neue geopolitische Belastungen bleibt.

Der Raiffeisen KMU PMI ist im Juli von 49.4 auf 50.7 Punkte gestiegen und liegt damit nach zwei Monaten unter der Wachstumsschwelle wieder über der 50er-Marke. Die Erhebung erfolgte nach dem Wiederaufflammen der Kampfhandlungen im Nahen Osten. Dennoch verbesserte sich die Geschäftslage, ähnlich wie in der Eurozone, wo der Einkaufsmanagerindex für die Industrie von 51.4 auf 52.0 Punkte anstieg. Die Erholung des Raiffeisen KMU PMI wurde dabei insbesondere von exportorientierten Unternehmen getragen, die im Juli einen Anstieg des Auftragsbestands verzeichneten.

Insgesamt verbesserten sich drei der fünf PMI-Komponenten. Der Auftragsbestand (von 48.5 auf 51.9 Punkte), die Produktion (von 49.2 auf 49.9) und die Lieferfristen (von 51.4 auf 55.0). Demgegenüber sanken die Komponenten zur Beschäftigung (von 49.5 auf 49.4) sowie zum Einkaufslager (von 49.9 auf 45.9) und blieben damit wie der Teilindex zur Produktion unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die verbesserte Auftragslage schlug sich im Juli also noch nicht in einer höheren Produktion nieder. Gleichzeitig stehen deutlich tiefere Einkaufslager einem spürbaren Anstieg der Lieferfristen gegenüber, was unterschiedliche Interpretationen zulässt. Der Rückgang der Einkaufslager könnte darauf hindeuten, dass die Unternehmen vorsichtiger geworden sind und mit einer schwächeren Nachfrage rechnen. Angesichts der deutlich verbesserten Auftragslage im Juli erscheint diese Erklärung jedoch wenig wahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist, dass die Wiederauffüllung der Einkaufslagerbestände durch längere Lieferzeiten erschwert wurde. Der Anstieg der Lieferfristen war bei exportorientierten KMU besonders ausgeprägt. Im Gegensatz zu früheren Umfragen liefern die qualitativen Rückmeldungen jedoch keine breit abgestützten Hinweise auf eine generelle Verschlechterung der Lieferketten. Die längeren Lieferfristen dürften daher zumindest teilweise auch die verbesserte Auftragslage bei den exportorientierten KMU widerspiegeln.

Die jüngste Verbesserung des PMI nährt erneut die Hoffnung auf eine Erholung der Industrie. Allerdings folgten auf ähnliche Erholungssignale in den vergangenen Jahren wiederholt Rückschläge. Höhere Energiepreise und mögliche Beeinträchtigungen wichtiger Transportwege könnten die Produktionskosten erneut steigen lassen und die Unsicherheit erhöhen. Vor diesem Hintergrund bleibt fraglich, wie nachhaltig die Erholung ausfallen kann, solange die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten anhalten.

Die Auftragsreserven vieler KMU fallen derweil überschaubar aus, wie eine Sonderumfrage von Raiffeisen zeigt. Bei rund der Hälfte der Unternehmen reicht der aktuelle Auftragsbestand bei unverändertem Produktionstempo für weniger als zwei Monate. Exportunternehmen verfügen zwar häufiger über ein Auftragspolster von zwei bis vier Monaten. Langfristige Auftragsbestände sind jedoch bei binnenorientierten Unternehmen verbreiteter. Eine erneute Eskalation im Nahen Osten könnte die Stimmung in der Industrie daher rasch wieder spürbar belasten.


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