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31.07.2017 ETH Swissloop: In 35 Minuten von Zürich nach Berlin

50 Studierende der ETH Zürich und anderer Schweizer Hochschulen wollen den Transport revolutionieren. Für einen Geschwindigkeitswettbewerb von Elon Musk haben sie eine Kapsel entwickelt, die zukünftig Menschen und Güter nahezu mit Schallgeschwindigkeit und emissionsfrei durch eine Vakuumröhre befördern soll.

Nach PayPal, SpaceX und Tesla widmet sich Elon Musk seit ein paar Jahren einem neuen Projekt: Mit Hilfe eines Studentenwettbewerbs möchte er innovative Transportmöglichkeiten fördern. 1200 Teams aus der ganzen Welt haben sich letzten September beworben, um eine Transportkapsel, einen sogenannten Pod, möglichst schnell durch eine Vakuumröhre zu schicken. Wie genau sie das anstellen, war den Studierenden selbst überlassen. Unter den 30 vielversprechendsten Konzepten ist auch jenes von Swissloop, einem Verein von Studierenden der ETH Zürich und anderer Schweizer Hochschulen.

Nachdem die Studierenden der Bereiche Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik, Materialwissenschaft, Physik und Wirtschaft über Monate intensiv an ihrem Pod gearbeitet haben, präsentierten sie ihn gestern Abend erstmals der Öffentlichkeit. Die elegante weisse Kapsel, mit einer Länge von 3,5 Metern, erinnert in ihrer Form an einen Wal. Doch besonders spannend ist ihr technisches Innenleben. Um den Pod möglichst schnell voranzubringen, haben sich die jungen Forschenden nämlich für eine Mischung aus Levitation und Kaltgasantrieb entschieden: Die Magnetschienen auf der Unterseite ihres Pods erzeugen Wirbelströme auf der Aluminimumplatte in der Röhre, wenn sie über die Platte geschoben werden. Der Pod beginnt zu schweben. Beschleunigt wird die Kapsel durch einen Kaltgasantrieb, indem – ähnlich wie bei einer Rakete – komprimierte Luft durch den Druckunterschied aus dem Pod in der Vakuumröhre geschossen wird. Auf diese Weise soll eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 400 km/h erreicht werden, ohne dass Emissionen entstehen. In Zukunft sollen damit grosse Distanzen, wie etwa die Strecke von Zürich nach Berlin, in nur 35 Minuten zurückgelegt werden können.

Realitätscheck in Los Angeles
Ob diese Technologie in der Realität aber tatsächlich funktioniert, wird sich erst am letzten Augustwochenende zeigen. Beim grossen Finale in Los Angeles wird Swissloop seinen Pod erstmals testen. Sollten alle Sicherheitstests erfolgreich ablaufen, wird sich das einzige Schweizer Team beim Geschwindigkeitswettbewerb mit den anderen Finalisten messen. Wobei das Gewinnen nicht im Vordergrund steht, sagt Luca Di Tizio, ETH-Student und CEO von Swissloop. Alleine, dass sie in ihren Pod in den USA präsentieren dürften, sei für ihn und sein Team eine grosse Ehre. «Die Arbeit hat uns allen sehr viel Spass gemacht», erzählt Di Tizio.

Die Studierenden haben für das Projekt einen enormen Einsatz geleistet. Etwa 70 Stunden pro Woche haben alle Mitglieder des Kernteams in den letzten Monaten ehrenamtlich gearbeitet. Neben dem Konzept hat Swissloop das Design sowie die Boardelektronik entwickelt, die technischen Zeichnungen gestaltet und alles zusammengebaut. «Einzig die Herstellung der einzelnen Teile mussten wir unseren Sponsoren überlassen, da wir nicht über die nötige Infrastruktur verfügen», sagt Di Tizio. Das grösste Problem sei aber gewesen, in so kurzer Zeit – die Studierenden hatten nur knapp vier Monate um das eingereichte Konzept in Realität umzusetzen. «Umso mehr freuen wir uns nun aber, dass es geklappt hat und unser Pod jetzt tatsächlich fertig ist», so Di Tizio.

Geborene Jungunternehmer?
Keine Selbstverständlichkeit – das Team stand kurz vor dem Aufgeben, weil die Form für die Carbon-Hülle des Pods runterfiel und in der Mitte riss. «Doch wir haben uns zusammengerauft, den Rückschlag weggesteckt und den Riss so gut wie möglich geflickt», erklärt Di Tizio. Qualitäten, die man mitbringen muss, wenn man einen Spin-off gründen möchte. Auf lange Sicht hin könne er sich das gut vorstellen, vielleicht auch mit anderen europäischen Teams zusammen. Denn das Ziel ist visionär: Menschen und Güter so schnell und nachhaltig zu befördern wie nie zuvor und so das Transportwesen in Europa zu revolutionieren.

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