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03.09.2014 SINDEX 2014: Plädoyer für duales Bildungssystem

Plädoyer für duales Bildungssystem und Wissenstransfer am Eröffnungssymposium der SINDEX

Innovativ bleiben und Stärke des dualen Bildungssystems nutzen: Mit diesen Forderungen hat swissT.net-Präsident René Brugger heute Dienstag die grösste Schweizer Messe für Technologie SINDEX eröffnet. Neben Brugger äusserten sich Spitzenvertreter der SINDEX-Aussteller wie Baumer Group-Chef Oliver Vietze, Contrinex-CEO Annette Heimlicher oder Nationalrat Christian Wasserfallen zum Leitthema "Werkplatz Schweiz – Erfolgsfaktoren im globalen Wettbewerb". Die SINDEX versammelt noch bis zum 4. September 2014 in Bern 430 Aussteller aus den Bereichen Automation, Elektronik und Elektrotechnik sowie verwandten Gebieten.

Nach einleitenden Grussworten von Roland Brand, CEO der BERNEXPO GROUPE, eröffnete heute morgen René Brugger, Präsident von swissT.net, das Eröffnungssymposium der SINDEX. In seinem Referat, das Brugger in Form eines Elevator Pitchs an Bundesrat Schneider-Ammann formulierte, warnte er vor einer Überakademisierung der Schweiz. Dies könne rasch zu einer Deindustrialisierung führen. Umso wichtiger sei es, die Vorzüge des dualen Bildungssystems der Schweiz weiter zu nutzen und so den Werkplatz Schweiz von innen zu stärken.

Eine Aussensicht auf den Industriestandort Schweiz gab der renommierte Wirtschaftsexperte Prof. Dr. Heiner Flassbeck. Er zeigte auf, dass die Schweizer Industrie zwar momentan noch eine gute Performance aufweist, ihr Erfolgsmodell aber mit einigen Risiken behaftet ist – zum Beispiel aufgrund der aktuellen Preisentwicklung. In der nach wie vor positiven Handelsbilanz der Schweiz sieht Flassbeck kein nachhaltiges Erfolgsmodell. Er forderte auch, dass sich die Schweiz stärker in die aktuelle Währungsdiskussion einbringen müsse.

Nationalrat Christian Wasserfallen (FDP, BE) thematisierte ebenfalls die starke Exportorientierung der Schweizer Industrie. Für ihn ist klar, dass die Aussenpolitik der Schweiz auch künftig einer der Erfolgsfaktoren ist. Nur mit soliden bilateralen Verträgen mit der EU sowie weiteren Freihandelsabkommen für die gesamte Wirtschaft könne die Schweiz "Weltmeister bleiben". Ebenso zentral ist gemäss Wasserfallen aber eine starke Innovationspolitik. Wenn die Schweiz international Spitze bleiben will, müsse sie auch künftig top-ausgebildete Fachkräfte bereitstellen. Wasserfallen betonte hierbei auch die Wichtigkeit eines Wissens- und Technologietransfers zwischen Bildungsinstituten beziehungsweise Forschung und Wirtschaft.

Wissenstransfer suchen
Dass Wissenstransfer nicht nur zwischen Forschung und Wirtschaft gefragt ist, zeigte die blinde Spitzensportlerin Chantal Cavin in ihrer Talkrunde mit Moderator Michael Sokoll auf. Cavin sucht immer wieder den Austausch mit anderen Sportlern, um ihre Trainingsmethoden zu optimieren. Dies erleichterte ihr auch den Umstieg vom Schwimmen auf den Triathlon. Der Erfolg gibt ihrer Strategie recht: Cavin kann sich inzwischen zum exklusiven Kreis der weiblichen Ironmen zählen. Den Wirtschaftsvertretern vor Ort gab sie den Rat weiter, den Know-how-Transfer nicht zu scheuen – denn wer von den Besten lerne, komme auch immer selber einen Schritt vorwärts.

Ein konkretes Beispiel einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Industrie und Wissenschaft präsentierten Andreas Kirchheim und Bernhard Franken. Sie stellten ein gemeinsames Projekt der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Tehag Engineering aus der Abgasnachbehandlung vor. Mit einer additiv gefertigten Harnstoffdüse konnten im Vergleich zur konventionellen Fertigung die Entwicklungsphase verkürzt sowie Produktionskosten gesenkt werden. Aus dem Forschungsprojekt soll möglichst bald ein marktfähiges Produkt entstehen.

Abgerundet wurde das Eröffnungssymposium von einem hochkarätig besetzten CEO-Roundtable. Annette Heimlicher, CEO von Contrinex, Remo Lütolf, Vorsitzender Geschäftsleitung ABB Schweiz AG, Martin Müller, CEO Güdel Group AG, Oliver Vietze, CEO und Verwaltungsratspräsident Baumer Group, sowie Konrad Wegener von der ETH Zürich lieferten sich einen spannenden Schlagabtausch mit pointierten Aussagen. Oliver Vietze gab zu bedenken, dass die direkte Demokratie mit ihren Entscheiden die Wirtschaft teilweise vor echte Herausforderungen stelle. Dem stimmte Lütolf zu. Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative fordere einen Konzern wie ABB, bei dem in der Schweiz jeder zweite Mitarbeitende einen ausländischen Pass hat, heraus. Er forderte die Politik auf, in der Umsetzung den vorhandenen Handlungsspielraum auszunützen. Annette Heimlicher forderte eine klarere Roadmap der Schweiz in ihren Verhandlungen mit der EU.

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